Martin Klemrath - Lucas von Petunien

„Das sind ja eine Menge Vorschusslorbeeren!“, so dachte ich, als ich Martin Klemraths „Lucas von Petunien“ in die Hände bekam. Bereits auf dem Cover prangen vorn wie hinten Lobpreisungen. So etwas macht mich skeptisch und eigentlich schon gleich etwas konträr eingestellt. Doch meine Neugierde siegte, was ich zu meinem freudigen Beschämen dem Autoren zu verdanken habe. Denn Martin Klemrath lockt den Leser mit einer nahezu winzigen Inhaltsangabe, die auf eine rasante Lektüre schließen lässt.

Und rasant ist die Geschichte um Lucas, das Findelkind. Dieser wurde vor nicht allzu langer Zeit im Petunienbeet vor dem Schloss gefunden und entsprechend dem schrägen Humor der Einwohner von Roxanania einfach nach seiner Herkunft benannt. Der junge Lucas von Petunien eilt durch die dicht geschriebene Abenteuerstory, als gäbe es kein Morgen und kein Fettnäpfchen, das nicht ausgelassen werden dürfte.

Leser werden mit wunderbarer Regelmäßigkeit durch scheinbar unnötige Erklärungen auf die verschlungenen Wege der Bedeutsamkeit absolut hirnrissiger Gedanken geführt und halten anschließend inne, um das breite Grinsen wieder aus ihrem Gesicht zu drücken. Ob pupsende (oder waren es kotzende?) Wölfe, hinterlistige Weibsbilder oder sich verflüchtigende wertvolle Drachensch ..., Lucas von Petunien muss durch alle Gefahren, die sich erfahrende Leser von Fantasy-Lektüre nur vorstellen können. Selbstverständlich hilft es, die gängigen großen Romane schon zu kennen, um die feinen und manchmal mit dem Holzhammer vorgetragenen Anspielungen zu verstehen.

Selbstverständlich umweht den jungen hoffnungsschwangeren Nachpubertierenden eine heiße Liebe, die in ihrer Romantik zwischen „Oh, mein Gott!“ und „Ach, du meine Güte!“ schwankt. Ob Zaubertränke, merkwürdige Schwerter oder unvermeidliche Liebesszenen (die auch als solche gekennzeichnet sind), Lucas lässt nichts aus. Begleitet von einer wahnwitzigen Tierwelt kämpft sich der Held dieses Romans bis an die Wurzeln seiner Herkunft. Zumindest, bis die Entscheidung fällt.

Sein Traum, ein echter Ritter zu werden, treibt ihn durch sein noch kurzes Leben, das oft genug droht, jäh zu enden. Der Autor hat es verstanden, das Genre auf die Schippe zu nehmen und den Helden in die Herzen der Leser zu katapultieren. Eine Verfilmung erscheint wohl unausweichlich und wäre verdient, ob der vielen kleinen Blödeleien am Rande.

Das Buch ist nichts für Erstleser, man muss schon die eingebauten feinen Anspielungen verstehen können. Insofern halte ich es eher für humorvolle Erwachsene geeignet, denn für Jugendliche. Es ist eine wunderbar leichte Lektüre, die Freude macht. „Lucas von Petunien“ ist eine gute Empfehlung für alle Fantasy-Fans, die den Spaß noch nicht bei den heute viel zu düsteren Romanen verloren haben. Denn Spaß macht diese Lektüre unbedingt.

Und ich freue mich auf die Fortsetzung.

Tja, liebe Neugierigen, da müsst Ihr nun durch, das Abenteuer ist nicht am Ende angekommen. Aber das kennt man ja von guter Fantasy ...






Martin Klemrath - Lucas von Petunien
Taschenbuch
232 Seiten
Books on Demand GmbH
ISBN 978-3-8423-2677-4
14,90 €

www.lucasvonpetunien.de


Kommentar/e

Danke für diese kompetente und wohlformulierte Rezension! :-)

Martin Klemrath - 27. Januar 2011 - 01:31

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